Praxis für Naturheilkunde Hennebach-Werner

Sylvia Hennebach-Werner

Flüssige Dickmacher

Welche Rolle zuckerhaltige Getränke bei der Entstehung von Übergewicht spielen und warum Experten den Genuss von reinen Fruchtsäften nur in Maßen empfehlen.

Der Sommer steht vor der Tür, und jeder, der am Strand und im Schwimmbad eine gute Figur machen will, hält sich beim Naschen zurück. Was die meisten aber verdrängen: Nicht nur Süßigkeiten enthalten viele Kalorien, sondern auch Getränke wie Soft- und Sportdrinks, Eistee, Trinkjoghurts oder Fruchtsäfte - mehr, als man vermutet.

Wie sehr sich das Maßhalten beim Trinken lohnt, zeigt eine neue Studie von Forschern des Children's Hospital Boston (USA). Sie teilten 103 Jugendliche in zwei Gruppen auf: Während es beim Essen keine Einschränkungen gab, sollte eine Hälfte zuckerhaltige Drinks möglichst durch kalorienarme ersetzen, die anderen sollten trinken wie bisher. Andere Faktoren, die bei Übergewicht eine Rolle spielen können, Bewegung etwa oder Fernsehgewohnheiten, blieben unverändert. Ergebnis: Nach sechs Monaten hatte die erste Gruppe den Konsum kalorienreicher Getränke um 82 Prozent reduziert. Und je mehr die Probanden anfangs wogen, desto mehr nahmen sie ab. Teilnehmer der Kontrollgruppe dagegen legten sogar zu.

Sehr hoher Saftkonsum

Nun könnte man sagen: Limonade, kein Wunder. Doch sie ist es nicht allein. "Deutsche Kinder etwa trinken weniger Softdrinks als amerikanische, aber recht viel Fruchtsaft", sagt Dr. Thomas Ellrott, Ernährungswissenschaftler an der Universität Göttingen. Der hat es genauso in sich: 40 bis 50 Kalorien pro 100 Milliliter - Apfelsaft sogar etwas mehr als Cola. In der Wahrnehmung vieler Menschen ist die Limo aber "böse" und der Saft "gut", weil er im besten Fall aus 100 Prozent Frucht besteht und als zuckerfrei gilt - ein Irrglaube, denn auch natürlicher Fruchtzucker ist Zucker. "Apfelsaft enthält mehr Nährstoffe als Cola: Kalium, Ballaststoffe, Vitamin C", so der Experte weiter. "Betrachtet man jedoch die Kalorienmenge und die Zusammensetzung des Zuckers, besteht kaum ein Unterschied. Und bei vielen Kindern ist eher die Kalorienaufnahme zu hoch."

Das grundsätzliche Problem ist: Getrunkene Kalorien sättigen nicht. "Wenn ich dieselbe Menge an Zucker einmal aufgelöst in einer Limonade trinke und einmal als Gummibärchen esse, bin ich nach der Limonade weniger satt", erklärt Ellrott.

Den Magen ausgetrickst

Warum das so ist, weiß niemand genau. Der Forscher vermutet: "Feste Lebensmittel bleiben länger im Magen und lösen einen größeren Dehnungsreiz aus als Getränke. Die flutschen einfach durch." Milchgetränke sind eine Ausnahme, dafür schlagen sie mit fast doppelt so vielen Kalorien zu Buche.

Letztlich kommt es, wie so oft, auf die Menge an. "Gegen ein Glas Saft oder Cola ab und zu ist nichts zu sagen", erklärt Ellrott. Bei einem Liter und mehr pro Tag kommen jedoch locker 400 bis 500 Kalorien zusammen. Das ist bei einer Frau schon ein Viertel des durchschnittlichen Tagesbedarfs - und sie hat noch keinen Bissen gegessen.

Autorin: SONJA POPOVIC

Fundstelle: HÖR ZU Ratgeber Mai 2006

Die schlanken Alternativen

Der beste Durstlöscher ist nach wie vor Wasser. Ein Spritzer Zitrone sorgt für Geschmack und Frische. Ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sowie Saftschorlen sind ebenfalls kalorienarm und daher gut geeignet, um den täglichen Flüssigkeitsbedarf von 1,5 bis zwei Liter zu decken. Manche Tees schmecken auch kalt sehr gut, etwa Früchtemischungen oder ein eisgekühlter Pfefferminztee. Fruchtsäfte sorgen ebenfalls für Abwechslung. Sie sollten jedoch immer mit Wasser zu einer Schorle verdünnt werden, am besten in einem Verhältnis 1:3 - auch wenn sie einen Fruchtanteil von 100 Prozent haben. Gemüsesäfte haben sogar nur halb so viele Kalorien wie Fruchtsäfte.

Ob Schorle oder Eistee: Getränke lieber selbst mixen. Das ist manchmal preiswerter, zudem enthalten fertige Mischungen oft unnötig viel Zucker, Aromen und andere Zusatzstoffe.

10 Getränke im Kalorien-Check

Die Übersicht zeigt, wie viel Energie in den Getränken (Kalorien bezogen auf jeweils 0,5 Liter) steckt und wie viele Pralinen (pro Stück ca. 50 Kalorien) sie dafür essen könnten:

Name Kalorien Pralinen
Joghurtdrink (Ehrmann Alighurt) 365 7
Traubensaft (Lindavia Direktsaft) 335 6
Molkedrink (Zott, Jogole Tropic) 295 6
Multivitamin Saft (Valensina) 265 5
Apfelsaft (Beckers Bester, naturtrüb) 230 4
Orangensaft (Hohes C, milde Orange) 215 4
Softdrink (Coca Cola) 210 4
Eistee (Rauch) 167,5 3
Isotonisches Getränk (Isostar fresh) 145 3
Wellnesswasser Apfel-Zitrone (Gerolsteiner) 99,5 2

 

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