Sylvia Hennebach-Werner
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Mit Folsäure gegen zu viel Druck

Das B-Vitamin könnte vor Bluthochdruck schützen

Ausreichend Folsäure kann dazu beitragen, junge Frauen vor Bluthochdruck zu schützen. Das schließen amerikanische Forscher aus den Ergebnissen einer Studie, in der sie den Zusammenhang zwischen aufgenommener Folsäuremenge und Blutdruck bei mehr als 150.000 Frauen untersucht haben. Demnach war das Bluthochdruckrisiko bei jungen Frauen, die täglich eine größere Menge des B-Vitamins zu sich nahmen, um etwa ein Drittel niedriger als bei den Frauen, die nur sehr wenig Folsäure konsumierten. Das berichteten die Wissenschaftler um John Forman vom Brigham and Women´s Hospital in Boston auf einer Konferenz der Amerikanischen Herzgesellschaft in Chicago.

Der Begriff Folsäure umfasst chemisch gesehen eine ganze Gruppe von Substanzen, die aber alle eine ähnliche Funktion haben. Sie gehören zu den B-Vitaminen und werden vom Körper für die Bildung von Blutkörperchen, Schleimhautzellen, Erbsubstanz und Proteinen benötigt. Außerdem hilft Folsäure, das schädliche Homocystein zu beseitigen, das beim Eiweißabbau entsteht und als Risikofaktor für Arteriosklerose gilt. Schwangere Frauen und Heranwachsende benötigen besonders viel von diesem Vitamin, das beispielsweise in Leber, Vollkornprodukten, grünem Gemüse wie Spinat oder Broccoli, Eigelb, Nüssen und Tomaten vorkommen. Die empfohlene Tagesdosis an Folsäure liegt bei 0,4 Milligramm, bei Schwangeren 0,6 Milligramm.

Die Gabe von Folsäure wird bereits seit längerem zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen empfohlen. Nach den Ergebnissen von Forman und seinem Team könnte diese jedoch zumindest bei Frauen zusätzlich auch einen positiven Einfluss auf den Blutdruck haben. Die Forscher werteten Daten von mehr als 93.000 Frauen im Alter von 26 bis 46 aus. Dabei fanden sie bei den Probandinnen mit einer täglichen Folsäuredosis von mehr als 0,8 Milligramm ein um 29 Prozent erniedrigtes Risiko von Bluthochdruck im Vergleich zu den Frauen, die weniger als 0,2 Milligramm täglich zu sich nahmen. Ältere Frauen zwischen 43 und 70 Jahren hatten ein immerhin noch um 13 Prozent geringeres Risiko, wie die Untersuchung der Daten von weiteren knapp 63.000 Probandinnen zeigte.

Der Einfluss der Folsäure war dabei unabhängig von anderen bekannten Risikofaktoren wie dem Body-Mass-Index, sportlicher Betätigung und sonstigen Ernährungsgewohnheiten, schreiben die Forscher. Den genauen Wirkmechanismus der Folsäure kennen sie jedoch noch nicht. Neben dem besseren Abbau von Homocystein helfe Folsäure jedoch möglicherweise dabei, die Blutgefäße zu entspannen und dadurch den Blutfluss verbessern, kommentiert Studienleiter Forman.

Autorin: Ilka Lehnen-Beyel 12.10.2004

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