Praxis für Naturheilkunde Hennebach-Werner

Sylvia Hennebach-Werner

Fibromyalgie

Fibromyalgie (Faser-Muskel-Schmerz) ist eine chronische, nicht-entzündliche Erkrankung, die durch weit verbreitete Schmerzen im gesamten Körper gekennzeichnet ist. Das Fibromyalgiesyndrom (FMS) ist eine schmerzhafte Erkrankung der Bewegungsorgane, oftmals verbunden mit Bewegungseinschränkungen. Im engeren Sinne stellt die Fibromyalgie keine rheumatische Erkrankung ("Weichteilrheumatismus") dar, da keine Entzündung vorliegt.     Standortbestimmung der DGM

Symptome

In ihren Leitlinien vom Juni 2008 unterscheidet die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zwischen zur Diagnose erforderlichen Hauptsymptomen und häufig vorliegende Nebensymptomen.

Hauptsymptome sind chronische Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, andauernde Müdigkeit (allgemeine Schwäche, Konzentrationsstörungen) bis hin zur Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) sowie Schlafstörungen. Von den Schmerzen besonders betroffen sind Rücken, Nacken, Brustkorb als auch die Gelenke in den Armen und Beinen. Die Symptome sollten über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auftreten. Schmerzempfindung teils schon bei bloßer Berührung der Haut auslösbar.

Zu den häufig vorzufindenden Begleitsysmptomen gehören Schwellungsgefühle in den Händen, Füßen oder dem Gesicht, Morgensteifigkeit, Reizdarm, Reizmagen, Kopfschmerzen, Trockenheit bzw. Überempfindlichkeit der Schleimhäute sowie vermehrte Ängstlichkeit und Depressivität.

Während für gewisse Fibromyalgie-Patienten vor allem die Schmerzen im Vordergrund stehen, klagen andere Patienten hauptsächlich über Müdigkeit, Verspannungen, Konzentrationsstörungen und unnatürlich lange Erholungsphasen nach körperlichen, geistigen oder emotionalen Belastungen. Wissenschaftlich nachgewiesen wurden eine erhöhte Geräusch-, Licht- und Kälteempfindlichkeit.

Eine Symptomenübersicht

Vegetative Beschwerden

Je nach Patient unterschiedlich können diverse vegetative Beschwerden auftreten, beispielsweise Herzrhythmusstörungen, empfindliche Haut (überschießende Reaktionen bei Berührung von näheren Menschen), vermehrte Venenzeichen, Haarausfall, Atembeschwerden, diffuse Schmerzen im Brustbereich in Verbindung mit Atemnot, Infektanfälligkeit, leicht erhöhte Temperatur, Taubheitsgefühle, nervöse Extremitäten (restless legs), Krämpfe in der Beinmuskulatur, Händezittern, Reizblase, Reizdarm, Periodenschmerzen, Nachlassen des sexuellen Interesses, Impotenz, Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Kloßgefühl im Hals, Zahnschmerzen, Schmerzen in der Kaumuskulatur, Störungen des Gehörsinns, Blindheit, Tinnitus (Ohrgeräusche), Neigungen zur vermehrten Schweißbildung, Wassereinlagerungen, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Wortfindungsstörungen, Schmerzen im Wirbelsäulenbereich, wechselnde Schmerzbereiche z. B.: an einem Tag rechte Hand und linker Fuß, am folgenden Tag linker Arm und rechtes Bein. Depressionen und Erschöpfungszustände sowie Müdigkeit, Mattigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen am ganzen Körper können ebenfalls auftreten.

Organ- und Gewebeschäden sind bisher nicht nachweisbar, obwohl massive Störungen in der Funktion der inneren Organe auftreten können, insbesondere zu Beginn der Erkrankung. Die Fibromyalgie kann plötzlich auftreten, nach einer grippeähnlichen Erkrankung, oder schleichend.

Krankheitsverlauf

Der Erkrankungsbeginn ist häufig schleichend und unauffällig. Am Anfang stehen meistens unspezifische Beschwerden wie beispielsweise Abgeschlagenheit, Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden. Später kommen Schmerzen im Bereich der Lenden- oder – etwas seltener – der Halswirbelsäule hinzu. Erst danach entwickeln sich die typischen Schmerzen in Arm und Beinen sowie weitere begleitende Symptome und Beschwerden. In der Regel verschlimmert sich die Krankheit nicht kontinuierlich. Heftige Schmerzattacken werden von schmerzfreien Intervallen abgelöst. Kälte, Nässe oder äußere Belastungen können zur Verschlimmerung führen. Bis sich das Vollbild der Erkrankung herausgebildet hat, dauert es durchschnittlich sieben bis acht Jahre. Die einzelnen Schübe und akuten Phasen folgen keinem bestimmten Muster und sind deshalb nur schwer vorherzusehen, jedoch treten sie besonders häufig nach akuten Infektionskrankheiten auf (Grippe, Lungenentzündung, Lyme-Borreliose o.ä.).

Zu einer krankheitsbedingten Zerstörung der Knochen – wie etwa bei einer rheumatoiden Arthritis – kommt es durch die Fibromyalgie selbst in der Regel nicht, jedoch kann die teilweise massive Bewegungseinschränkung in seltenen Fällen zu Kapselschrumpfungen und anderen irreparablen Folgen im Gelenkapparat führen.

Diagnose

Die Diagnose einer Fibromyalgie gestaltet sich recht schwierig, da sowohl Röntgenbilder als auch Laborwerte keinen eindeutigen Aufschluss geben. Eine Diagnose kann somit letztendlich nicht immer sicher gestellt werden. Meist werden sogenannte "tender points" (engl. etwa: empfindliche Stellen) zur Hilfe genommen (American College of Rheumatology-Klassifikationskriterien 1990). Besteht bei 11 oder mehr von 18 „tender points“ eine erhöhte Druckschmerzhaftigkeit, so liegt der Verdacht auf Fibromyalgie nahe. Diese Diagnosepunkte liegen zumeist gelenknah an den Sehnen-Muskel-Ansätzen.

Oft wird die Diagnose erst nach 8–10 Jahren gestellt, so dass es bereits zu einem Vollbild der Erkrankung gekommen ist, bevor der Patient angemessen therapiert wird.

Diagnosekriterien:

Fibromyalgie-Patienten haben aufgrund der problematischen Diagnose oft Schwierigkeiten als arbeitsunfähig anerkannt zu werden, was nicht selten zu großen sozialen bzw. finanziellen Schwierigkeiten führt. Die Krankheit ist nicht tödlich, kann jedoch zu einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.

Ursache

Sowohl die Ursache (Ätiologie) der Fibromyalgie als auch die Mechanismen der Krankheitsentstehung (Pathogenese) sind ungeklärt. Es besteht eine Vielfalt von Befunden, die genetische, hormonelle, neurophysiologische, psychische und weitere Faktoren betreffen. In der Zusammenschau der Befunde wird derzeit vorwiegend eine Störung schmerzverarbeitender Systeme im zentralen Nervensystem mit der Folge einer erniedrigten Schmerzschwelle diskutiert.

Hinsichtlich hormoneller und neurophysiologischer Faktoren wird beispielsweise ein Mangel des Neurotransmitters Serotonin, das in der Schmerzverarbeitung und der Regulation des Schlafes eine wichtige Rolle spielt, diskutiert. So wurden bei Patienten mit einer Fibromyalgie unter anderem im Liquor cerebrospinalis erniedrigte Spiegel an Serotonin-Stoffwechselprodukten festgestellt. Neben Serotonin wird auch die Rolle anderer Hormone und Neurotransmitter wie beispielsweise Substanz P oder das Wachstumshormon Somatotropin in der Entstehung der Fibromyalgie untersucht.

Die von den Patienten beschriebenen vorangegangenen oder begleitenden Faktoren - Traumata, familiäre Belastungen, Infektionen - stellen Anforderungssituationen (Stress) für den Organismus dar, der daraufhin mit hormonellen und immunologischen Veränderungen reagiert. Diese Veränderungen dienen zunächst einem geeigneten Umgang des Körpers mit den belastenden Situationen. Hält der Stress jedoch an, wird er also chronisch, kann dies zu dauerhaften hormonellen und immunologischen Veränderungen und zu körperlichen und seelischen Beschwerden führen. Zahlreiche Studien belegen, dass Stress Symptome wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Burnout, Angst, Depression und Gedächtnisprobleme fördern kann und Störungen wie Übergewicht, Bluthochdruck, Magen-Darm-Störungen und eine erhöhte Infektionsanfälligkeit begünstigt. Diese Symptome finden sich häufig auch bei Fibromyalgie-Patienten.

Betroffen sind - je nach Quelle - zwischen 0,6 und 4 Prozent der Bevölkerung, davon sind 85 bis 90 Prozent Frauen. Die Erkrankung beginnt im Allgemeinen gegen Ende 20 und ist mit etwa Mitte 30 voll entwickelt, und hat bei Frauen einen Häufigkeitshöhepunkt im und nach dem Klimakterium. Selten sind auch Kinder und Jugendliche von ihr betroffen; bei alten Menschen könnte sie fälschlicherweise unter "Altersbeschwerden" subsumiert werden.

Der Krankheitsverlauf zieht sich meistens über Jahrzehnte hin. Die Heftigkeit der Symptome und der daraus folgenden gesundheitlichen Einschränkungen ist individuell verschieden, in schweren Fällen aber lebensbestimmend bzw. stark einschränkend bis hin zur dauernden Bettlägerigkeit.

Einige Fibromyalgie-Patienten geben an, dass die subjektiv empfundene Belastung durch die Beschwerden im Langzeitverlauf abnimmt. So beobachtete eine kanadische Forschergruppe 59 Frauen über einen Zeitraum von drei Jahren. Jährlich führte sie Kontrolluntersuchungen und Befragungen der Patientinnen durch. Ein Drittel der Befragten berichtete über eine Verbesserung der Erkrankung sowie über eine Schmerzreduktion um mindestens 30 Prozent.

Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen den Ausbruch der Fibromyalgie gibt es nicht, da man nicht exakt weiß, was die Erkrankung auslöst. Die folgenden Ratschläge sollen eher helfen, eine Verschlechterung bei schon bestehender Erkrankung zu verhindern.

Oft hilft bei einer Fibromyalgie schon eine Umstellung der Lebensgewohnheiten. Beispielsweise sollte man sich bemühen, Stress-Situationen möglichst zu vermeiden.

Viel körperliche Bewegung und Entspannung - zum Beispiel mit Yoga oder Meditation - können die Verbesserung der Fibromyalgie-Symptome bewirken. Auch die Umstellung der Ernährung auf eine gesündere Kost (mehr Obst und Gemüse) kann helfen.

Unsachgemäße Behandlung

Eine amerikanische Studie belegt, dass Fibromyalgiekranke häufig nicht fachgerecht behandelt werden. Zu der persönlichen Krankheitsgeschichte des Patienten gesellt sich eine unzureichende und uninformierte medizinische Behandlung, die das Beschwerdebild oftmals verschlimmert, statt es zu verbessern. Fibromyalgiepatienten werden überdurchschnittlich oft operiert und dies meist ohne Erfolg. Sie werden mit Schmerzmedikamenten abgefüllt, obwohl man um ihren geringen therapeutischen Wert weiß. Patienten werden als Simulanten, depressiv, hypochondrisch oder hysterisch klassifiziert und mit Anti-Depressiva ruhiggestellt. Beliebte Verordnungen sind ebenso nichtsteroidale Antirheumatika und Kortison, obwohl verschiedene medikamentöse Studien übereinstimmend über eine weitgehende therapeutische Wirkungslosigkeit berichten.

Behandlung

Die Fibromyalgie ist durch medizinische Maßnahmen nicht heilbar. Grundsätzlich besteht die Gefahr des Medikamentenmissbrauchs, der Sucht sowie unabsehbarer Folgeschäden durch Dauermedikation mit diversen Schmerzmitteln.    Medizin oft unwirksam

Ein Behandlungskonzept ist heute die multimodale Therapie entsprechend den Erkenntnissen der modernen Schmerzforschung. Ziel der Maßnahmen ist hierbei die Erhaltung oder Verbesserung der Funktionsfähigkeit im Alltag und damit der Lebensqualität sowie die Minderung und/oder Linderung der Beschwerden. Da es sich um ein lebenslang bestehendes Beschwerdebild handeln kann, werden insbesondere Behandlungsmaßnahmen empfohlen, die vom Betroffenen eigenständig durchgeführt werden können (Selbstmanagement), die keine oder nur geringe Nebenwirkungen haben und deren langfristige Wirksamkeit gesichert sein sollte.

Zusätzlich zur wissenschaftlichen Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms wird vom Bundesverband der Deutschen Fibromyalgievereinigung (DFV) e. V. ein auf diesen Leitlinien basierender Patientenleitfaden herausgegeben. Danach werden folgende mögliche Behandlungen und Maßnahmen, die nicht zuletzt aufgrund des inhomogenen Krankheitsbildes auf den jeweils Betroffenen individuell abgestimmt werden müssen, empfohlen:

Weitere Informationen finden Sie hier:

AWMF online

IgG vermittelte Nahrungsmittelallergie als Auslöser von Fibromyalgie-Beschwerden

Deutsche Fibromyalgie-Vereinigung (DFV) e.V.

Fibromyalgie-Selbsthilfe Rhein-Main-Kinzig

Fibromyalgie-Liga Deutschland (FLD) e.V.

FMS Patientenhilfe Deutschland

Fibromyalgie-forum.de

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